Der Verdrängung Hunderter St. Georger MieterInnen in den vergangenen Jahren folgt gerade eine Welle von Schließungen kleiner Läden. Es ist seit einigen Wochen Stadtteilgesprächsthema
Nummer eins: das Runterreiten vor allem der Langen Reihe – St. Georgs traditioneller
Haupteinkaufsstraße – zu einer Café- und Vergnügungsmeile. Die Nahversorgung bricht immer stärker weg, es kommen dafür neue Kneipen, Restaurants und Weinläden.
Ein Prozess, der über zehn Jahre im Bezirksamt auf Wohlwollen und Unterstützung stieß, bis dessen Leiter Schreiber aus wahlkampftaktischen Erwägungen ein Herz für die St. GeorgerInnen entwickelte und neuerdings gegen die Yuppisierung St. Georgs schimpft.
Die Verdrängung läuft über das Geld. Quadratmeterpreise im Wohneigentum von bis zu 6.000 Euro und Neuvermietungsmieten von mindestens elf, zwölf Euro pro Quadratmeter stehen dabei in engem Zusammenhang mit Ladenpreisen von bis zu 100 Euro pro Quadratmeter (so im mittlerweile aufgegebenen Schmuckladen „Elbgold“). Schmerzhaft ist das Ende des Jahrzehnts
vor Ort ansässigen Musikkellers, dem die Ladenmiete jüngst von 11 auf satte 38 Euro erhöht werden sollte. Nun steht das Geschäft leer.
Überhaupt kann man ein wenig den Eindruck bekommen, dass die Rendite-versessenen HauseigentümerInnen und SpekulantInnen die Sache überrissen haben, siehe den monatelangen Leerstand z.B. in den Räumen der zum Steindamm verzogenen Einrichtung „Weiterbildung
Hamburg“. Wann hatten wir Leerstand in den letzten zehn, fünfzehn Jahren?
Im Verbund mit anderen Gruppen und Initiativen wollen der Einwohnerverein St. Georg und die Bürgerinitiative „Ohne Mix is nix!“ eine neue Kampagne starten. Ange- regt worden sind wir dazu von einer Anwohnerin der Schmilinskystraße, der ebenfalls der Kragen geplatzt ist. Wir möchten in den kommenden Wochen Unterschriften sammeln, und zwar unter folgendem Text: (
Gegen die Zerstörung der sozialen Strukturen in St. Georg!
Hamburgs Innenstadtquartiere, vor allem das Schanzenviertel, St. Pauli und St. Georg, erleben seit einem guten Jahrzehnt eine beispiellose Spekulationswelle. WohnungsmieterInnen und alteingesessene Gewerbetreibende werden mit saftigen Mieterhöhungen verdrängt, manchmal wird sogar mit kriminellen Methoden nachgeholfen. Die neu entstehenden Läden stellen meist kein sinnvolles Angebot für die in den Vierteln lebenden Menschen dar, sondern bieten allenfalls für auswärtige BesucherInnen und TouristInnen eine Attraktion.
Wir wollen, dass endlich die Sorgen und Nöte der St. Georger BewohnerInnen und der (verbliebenen) kleinen Gewerbetreibenden Ernst genommen werden. Wir wollen in unserem angestammten Quartier zu erschwinglichen Preisen wohnen bleiben. Wir wollen, dass die den Menschen vor Ort dienenden Geschäfte geschützt werden. Und wir wollen, dass St. Georgs traditionelles, aus Arm und Reich bestehendes, multikulturelles Flair erhalten bleibt!
Deswegen fordern wir von den verantwortlichen Stellen:
•Begrenzung der Mietpreissteigerungen bei kleinen Läden und Mieterschutz für das Kleingewerbe (den es bisher nicht gibt)!
•Eine soziale Erhaltenssatzung für St. Georg, die endlich der massiven Umwandlungswelle von Miet- in Eigentumswohnungen ein Ende setzt!
•Stärkerer Schutz vor allem der Mietshäuser vor kriminellen Übergriff en wie z.B. Brandanschlägen zwecks Vertreibung der Bewohnerschaft und der kleinen Gewerbetreibenden!
•Erhalt des sozialen, Alters- und Kultur-Mixes, der St. Georg über Jahrzehnte zu einem der tolerantesten und integrativsten Viertel der Stadt gemacht hat!
•Wir brauchen kein neues „Image“, wir brauchen keine weiteren neuen Hochhäuser und Bürobauten, keine Ladenketten und neuen Hotels – wir brauchen mehr Nahversorgungsläden, günstigen Wohnraum und Sozialwohnungen und Schutz für Menschen in schwierigen Lebenslagen!
Sonntag, 30. August 2009




