Eine kleine Meldung ging kürzlich durch die Presse: Am 9. Mai 2010 ist in Salt Lake City Karl-Heinz Schnibbe (geb. am 5. Januar 1924 in Hamburg) verstorben, der letzte Überlebende einer vierköpfigen antifaschistischen Jugendwiderstandsgruppe. Kaum jemand wird einen Zusammenhang zu St. Georg hergestellt haben. Dass dies nun anders werden soll, verdanken wir einer Initiative von Dr. Burchard Bösche, dem Vorstand des in
der Baumeisterstrasse 2 ansässigen Zentralverbandes deutscher Konsumgenossenschaften
e.V. (ZdK).
Führender Kopf der kleinen Widerstandsgruppe war Helmuth Hübener (8.1.1925 – 27.10.1942), nach dem vor einigen Jahren der Weg zwischen der Greifswalder
Strasse und dem Kirchenweg als Helmuth-Hübener-Gang benannt werden konnte.
Im Frühjahr 1941 hatte Hübener eine Verwaltungslehre in der Hamburger Sozialbehörde begonnen, diese hatte ihren Sitz damals im Bieberhaus am Hachmannplatz.
Aufmerksam verfolgte er Nachrichten ausländischer Radiosender, auch kam er in
der Verwaltung an interne Informationen über den Terror der Nazis heran. Im Unterschied zu vielen anderen wollte er sich damit nicht abfi nden, sondern die Mordmaschine entlarven und anklagen. Zusammen mit seinen jugendlichen Freunden Karl-Heinz Schnibbe, Rudolf Wobbe und Gerhard Düwer aus dem Umfeld der „Kirche Jesu Christi der Heiligen Letzten Tage“ – die Mormonen hatten ihren Gemeindesaal am
Besenbinderhof 13a – stellten sie illegale Flugblätter her und verteilten sie in benachbarten Vierteln. Doch die Gruppe wurde verraten, Hübener als jüngstes Opfer der
Nazi-Justiz siebzehnjährig in Berlin-Plötzensee enthauptet. Schnibbe kam in Haft und
wanderte später in die USA aus. Dieser Widerstandsgruppe soll nun in Form eines Wandbildes an einer zum Helmuth-Hübener-Gang hin gelegenen Aussenmauer
der Heinrich-Wolgast-Schule gedacht werden. Die Leiterin dieser Schule, Petra Demmin, hat sich bereits dafür ausgesprochen, die Finanzierung wäre über den ZdK gesichert, nur die zuständige Behörde macht Probleme und spricht von einem ein bis zweijährigen Verfahren...
Um dieses beträchtlich abzukürzen und vor allem das Projekt bekannt zu machen, hat der Einwohnerverein beantragt, das Thema beim nächsten Stadtteilbeirat am 29. Juni um
18.30 Uhr in der Pausenhalle der Wolgast-Schule ausführlich zu behandeln. Die interessierte Stadtteilöffentlichkeit ist eingeladen, die Debatte mit zu tragen und das
Anliegen zu unterstützen.
Donnerstag, 17. Juni 2010




